Bodenrichtwert in Hamburg richtig nutzen beim Grundstücksverkauf

Bastian Berg .

26. Juli 2026

Modernes Haus mit Garten in Hamburg. Ein Kind fährt Rad, eine Frau gießt Pflanzen. Der Bodenrichtwert Hamburg ist hier hoch.

Beim Verkauf eines Grundstücks in Hamburg liegt die Versuchung nahe, den Kartenwert pro Quadratmeter einfach mit der Grundstücksfläche zu multiplizieren. Das liefert einen nützlichen Ausgangspunkt, aber noch keinen belastbaren Verkaufspreis. Ich zeige, wie der Bodenrichtwert in Hamburg funktioniert, wo Sie den aktuellen Wert finden, welche Rolle er für Steuern spielt und wie Sie ihn sinnvoll in Ihre Preisstrategie einbauen.

Die wichtigsten Punkte für Ihre Bewertung in Hamburg

  • Kein Verkaufspreis Der Bodenrichtwert beschreibt ein typisches Grundstück in einer bestimmten Zone.
  • Aktueller Stichtag Für 2026 sind in Hamburg Werte zum 1. Januar 2026 verfügbar.
  • BORIS.HH Die amtliche Bodenrichtwertkarte kann kostenlos genutzt werden.
  • Grundsteuer Für die Hamburger Grundsteuer müssen Eigentümer den Bodenrichtwert nicht angeben.
  • Verkauf Lage, Baurecht, Grundstückszuschnitt, Gebäudezustand und Nachfrage beeinflussen den tatsächlichen Preis.

Was der Bodenrichtwert in Hamburg tatsächlich aussagt

Der Bodenrichtwert ist der durchschnittliche Wert des unbebauten Bodens in einer bestimmten Bodenrichtwertzone, angegeben in Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche. Er wird vom Gutachterausschuss aus den ausgewerteten Grundstückskaufverträgen abgeleitet und regelmäßig aktualisiert. Für Hamburg stehen aktuell Werte zum Stichtag 1. Januar 2026 zur Verfügung.

Wichtig ist das Wort „typisch“. Der Wert bezieht sich nicht automatisch auf jedes einzelne Grundstück, sondern auf ein fiktives Grundstück mit den Eigenschaften, die für die jeweilige Zone als üblich gelten. Dazu gehören unter anderem die zulässige Nutzung, die Grundstücksgröße und bei Bauland häufig die wertrelevante Geschossflächenzahl, kurz WGFZ.

Seit 2010 arbeitet Hamburg mit zonalen Bodenrichtwerten. Das bedeutet, dass die Stadt in einzelne Bereiche mit vergleichbaren Grundstücksmerkmalen aufgeteilt ist. Zwei Straßen, die nur wenige hundert Meter voneinander entfernt liegen, können deshalb unterschiedlichen Werten zugeordnet sein.

Wert Was er beschreibt Wofür er sinnvoll ist
Bodenrichtwert Typischer Bodenwert je Quadratmeter in einer Zone Erste Orientierung und Plausibilitätsprüfung
Vorläufiger Bodenwert Auf Grundstücksgröße und Merkmale angepasster Bodenwert Grobe Einschätzung des Bodenanteils
Verkehrswert Wahrscheinlicher Preis der gesamten Immobilie am Bewertungsstichtag Verkauf, Finanzierung und rechtssichere Bewertung

Was im Richtwert nicht enthalten ist

Der Bodenrichtwert bewertet grundsätzlich den Grund und Boden, nicht das darauf stehende Gebäude. Ein älteres Haus, eine hochwertige Sanierung, ein problematischer Baugrund oder ein bestehendes Erbbaurecht werden dadurch nicht vollständig abgebildet.

Auch besondere Grundstückseigenschaften können den Wert stark verändern. Dazu zählen beispielsweise eine ungünstige Zufahrt, Altlasten, Baulasten, Hochwassergefahr, Lärm oder ein ungewöhnlicher Zuschnitt. Genau deshalb sollte der Kartenwert nie die einzige Grundlage für einen Angebotspreis sein.

So finden und lesen Sie den passenden Wert

Die amtliche Auskunft erfolgt über BORIS.HH, die interaktive Bodenrichtwertkarte Hamburgs. Die Nutzung der Karte und der Ausdruck der dort angezeigten Bodenrichtwerte sind kostenlos. Für eine individuelle, schriftlich bestätigte Auskunft können je nach Umfang Gebühren anfallen.

  1. Suchen Sie das Grundstück über die Adresse oder die Flurstücksnummer.
  2. Wählen Sie den gewünschten Bewertungsstichtag aus.
  3. Klicken Sie die passende Bodenrichtwertzone an.
  4. Prüfen Sie die Nutzungsart, etwa EFH für Ein- und Zweifamilienhäuser oder MFH für Mehrfamilienhäuser.
  5. Übernehmen Sie Grundstücksgröße und, falls erforderlich, die WGFZ für die individuelle Umrechnung.
  6. Speichern oder drucken Sie die Auskunft für Ihre Unterlagen.

Der häufigste Fehler passiert bereits bei der Auswahl der Zone. Maßgeblich ist nicht der Wert der attraktivsten Nachbarstraße, sondern der Wert, der dem eigenen Flurstück tatsächlich zugeordnet ist. Liegt ein Grundstück direkt an einer Zonengrenze, würde ich zusätzlich die Erläuterungen prüfen und bei einer größeren Transaktion eine amtliche Auskunft oder fachliche Bewertung einholen.

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Die WGFZ verständlich erklärt

Die WGFZ zeigt vereinfacht, wie viel Geschossfläche im Verhältnis zur Grundstücksfläche typischerweise berücksichtigt wird. Ein Grundstück mit einer möglichen höheren baulichen Ausnutzung kann deshalb einen anderen Richtwert haben als ein vergleichbar großes Grundstück mit deutlich geringeren Baurechten.

Ein Wert, der bereits auf eine bestimmte Grundstücksgröße oder WGFZ normiert wurde, darf nicht noch einmal unkritisch angepasst werden. Doppelte Korrekturen führen schnell zu einem unrealistischen Bodenwert. Die Hinweise direkt in der Kartenanwendung sind deshalb wichtiger als eine einfache Rechnung mit dem Taschenrechner.

Welche Rolle der Richtwert bei Steuern spielt

Beim Thema Steuer wird der Bodenrichtwert häufig mit dem Grundsteuerwert verwechselt. Für die Hamburger Grundsteuer müssen Eigentümer den Bodenrichtwert jedoch nicht angeben. Hamburg verwendet ein eigenes, wertunabhängiges Wohnlagemodell, bei dem andere Angaben wie Grundstücksfläche, Wohn- und Nutzfläche sowie die Wohnlage eine Rolle spielen.

Die Finanzbehörde Hamburg weist ausdrücklich darauf hin, dass der Bodenrichtwert für Grundstücke in Hamburg bei der Grundsteuer nicht benötigt wird. Ein hoher Wert in BORIS.HH führt daher nicht automatisch zu einer höheren Grundsteuer und ein niedriger Wert nicht automatisch zu einer geringeren Belastung.

Anders kann es bei bestimmten steuerlichen Bewertungen aussehen, etwa bei einer Erbschaft, Schenkung oder einem Grundstückserwerb ohne klaren Kaufpreis. In solchen Fällen kann die Steuerverwaltung einen typisierten Bedarfswert ermitteln und dabei Daten der Gutachterausschüsse als Bewertungsfaktoren heranziehen.

Für die Steuererklärung sollte deshalb immer der konkrete Bescheid oder die Vorgabe des Finanzamts maßgeblich sein. Eine private Rechnung mit dem Bodenrichtwert ersetzt keine steuerliche Bewertung und ist bei größeren Vermögensübertragungen kein ausreichender Sicherheitsanker.

Was der Richtwert beim Immobilienverkauf bringt

Beim Verkauf ist der Bodenrichtwert vor allem ein Orientierungs- und Kontrollinstrument. Er hilft dabei, den Bodenanteil einer Immobilie zu verstehen und einen Angebotspreis auf grobe Plausibilität zu prüfen. Besonders nützlich ist er bei unbebauten Grundstücken, Grundstücksteilungen und Immobilien mit erheblichem Entwicklungspotenzial.

Bei einem Einfamilienhaus besteht der Gesamtwert dagegen aus mehreren Teilen. Neben dem Grundstück zählen Gebäudealter, Wohnfläche, Modernisierungen, Energiezustand, Nebengebäude, Außenanlagen und die aktuelle Nachfrage. Ein attraktiver Bodenwert kann ein sanierungsbedürftiges Gebäude nicht automatisch ausgleichen.

Ich arbeite bei einer ersten Einschätzung gern mit drei getrennten Zahlen. Dadurch bleibt sichtbar, welcher Teil der Preisvorstellung auf dem Grundstück beruht und welcher auf der Immobilie selbst.

  1. Amtlicher Richtwert aus der passenden Bodenrichtwertzone.
  2. Angepasster Bodenwert unter Berücksichtigung von Größe, Nutzung und Baurecht.
  3. Marktgerechter Gesamtpreis aus Vergleichsangeboten, tatsächlichen Verkäufen und dem Zustand des Gebäudes.

Gerade in Hamburg können Angebotspreise und tatsächlich erzielte Kaufpreise deutlich auseinanderliegen. Wer nur Inserate vergleicht, sieht zunächst die Erwartungen der Verkäufer. Für eine belastbare Preisstrategie sind reale Vergleichsobjekte und die Besonderheiten des eigenen Grundstücks deutlich aussagekräftiger.

Eine Beispielrechnung für die erste Orientierung

Angenommen, ein 650 m² großes Grundstück liegt in einer Zone mit einem Richtwert von 900 Euro je Quadratmeter. Die einfache Rechnung lautet 650 × 900 Euro und ergibt einen vorläufigen Bodenwert von 585.000 Euro.

Diese Zahl ist nur ein Rechenbeispiel. Sie berücksichtigt noch nicht, ob der Wert für genau diese Grundstücksgröße, Nutzungsart und WGFZ gilt. Ebenso fehlen mögliche Abschläge für Baulasten, Altlasten, schwierige Erschließung oder ein eingeschränktes Baurecht.

Rechenschritt Beispiel Einordnung
Grundstücksfläche 650 m² Aus Kaufvertrag, Grundbuch oder Flurstücksdaten
Richtwert 900 €/m² Nur für die passende Zone und Nutzung verwenden
Vorläufiger Bodenwert 585.000 € Keine automatische Aussage über den Verkaufspreis

Bei einem bebauten Grundstück kommt der Gebäudewert nicht einfach pauschal hinzu. Ein sehr altes Haus kann sogar dazu führen, dass Käufer vor allem den Grundstückswert sehen und Abriss- oder Sanierungskosten in ihre Kalkulation einbeziehen. Bei einem modernen, gut gepflegten Gebäude kann der Gesamtpreis dagegen deutlich über dem reinen Bodenwert liegen.

Diese Fehler kosten Eigentümer beim Verkauf Geld

  • Der höchste Wert der Umgebung wird als eigener Wert übernommen, obwohl das Grundstück in einer anderen Zone liegt.
  • Die Grundstücksfläche wird mit einem nicht passenden Wert für eine andere Nutzungsart multipliziert.
  • Der Bodenwert wird mit dem Verkehrswert der gesamten Immobilie gleichgesetzt.
  • Das Baurecht wird überschätzt, obwohl Bebauungsplan, Genehmigung oder Erschließung die Nutzung begrenzen.
  • Der Stichtag wird ignoriert, obwohl sich Marktbedingungen seit der Veröffentlichung verändert haben können.
  • Besondere Belastungen wie Wegerechte, Altlasten oder Erbbaurechte werden erst spät angesprochen.

Mein wichtigster Rat lautet deshalb, die Unterlagen vor der Preisfestlegung zusammenzustellen. Dazu gehören Grundbuchauszug, Flurkarte, Bebauungsplan, Wohnflächenberechnung, Bauunterlagen und Nachweise über Modernisierungen. Je vollständiger die Faktenlage ist, desto weniger hängt die Preisverhandlung von bloßen Behauptungen ab.

Bei einem unbebauten Grundstück oder einer geplanten Teilung reicht eine einfache Online-Abfrage häufig nicht aus. Sobald Baurecht, Nutzungsänderung oder ein größerer finanzieller Unterschied im Raum steht, lohnt sich eine professionelle Verkehrswertermittlung. Die Kosten dafür sind meist besser kalkulierbar als ein monatelang falsch positioniertes Verkaufsangebot.

Die beste Preisentscheidung entsteht aus zwei getrennten Zahlen

Für den Verkauf sollten Sie den amtlich abgeleiteten Bodenwert und den realistisch erzielbaren Gesamtpreis getrennt betrachten. Der erste Wert erklärt, was der Boden in einer typischen Lage ungefähr wert ist. Der zweite berücksichtigt das konkrete Grundstück, das Gebäude, die Käufernachfrage und die Bedingungen des aktuellen Marktes.

Wer diese beiden Ebenen sauber auseinanderhält, kann den Angebotspreis nachvollziehbar begründen und reagiert sicherer auf Einwände von Käufern. Der Bodenrichtwert ist damit kein fertiges Preisschild, sondern ein belastbarer Startpunkt für eine realistische Immobilienbewertung in Hamburg.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Der Bodenrichtwert beschreibt den typischen Bodenwert je Quadratmeter in einer bestimmten Zone, nicht den Verkaufspreis der gesamten Immobilie. Gebäude, Baurecht, Grundstückszuschnitt, Erschließung, Belastungen und Nachfrage können den tatsächlichen Wert deutlich verändern.
Über BORIS.HH suchen Sie das Grundstück per Adresse oder Flurstücksnummer, wählen den Bewertungsstichtag und öffnen die zugehörige Bodenrichtwertzone. Prüfen Sie zusätzlich Nutzungsart und gegebenenfalls die WGFZ, damit Sie keinen Wert einer anderen Zone oder Nutzung übernehmen.
Nein. Für die Hamburger Grundsteuer wird der Bodenrichtwert nicht benötigt. Hamburg verwendet ein wertunabhängiges Wohnlagemodell, bei dem unter anderem Grundstücksfläche, Wohn- und Nutzfläche sowie die Wohnlage berücksichtigt werden.
Bei einem Richtwert von 900 Euro je Quadratmeter ergibt die einfache Rechnung 650 × 900 Euro einen vorläufigen Bodenwert von 585.000 Euro. Diese Summe ist nur eine erste Orientierung und muss unter anderem wegen Grundstücksmerkmalen, WGFZ, Baurecht, Altlasten oder Baulasten angepasst werden.
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Autor Bastian Berg
Bastian Berg
Mein Name ist Bastian Berg und seit 5 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Immobilien in Sachsen. Meine Arbeit auf blacklabelimmobilien-leipzig.de hat es mir ermöglicht, tief in die Materie des Kaufens, Bauens und Wohnens einzutauchen. Mich fasziniert besonders, wie man komplexe Sachverhalte rund um den Immobilienmarkt verständlich aufbereiten kann, damit sich jeder gut informiert entscheiden kann. Dabei lege ich großen Wert darauf, stets aktuelle Entwicklungen im Auge zu behalten und die Informationen so klar und nachvollziehbar wie möglich darzustellen. Mein Ziel ist es, Ihnen mit nützlichen und verlässlichen Inhalten zur Seite zu stehen, wenn es um Ihre Immobilienträume in Sachsen geht.
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